Transposition [2 – 4]
Bei meinen Archivrecherchen zu Zwangsarbeit bei Radio Mende
habe ich hunderte Porträts von Arbeiter:innen gefunden, die mich
nicht mehr losgelassen haben. Sie sind auf Karteikarten und Arbeitsausweisen
zusammen mit ihren biografischen Daten geklebt.
Die Fotografien sind Zeugnisse der Existenz von Leben, die in der
heutigen Stadt unsichtbar sind. Ich kann sie nicht ignorieren. Wie
jedoch können diese Bilder gezeigt werden, ohne die Gewalt zu
reproduzieren, die ihren Umständen innewohnt? Der Werkkomplex
Transposition stellt diese Porträts in einen neuen Kontext und
zeigt gleichzeitig ihre Verbindung mit der Geschichte auf. Durch
die Collage aus Fotos von Orten, Passfotos und weißem Papier
führe ich die verschiedenen Schichten dieser komplexen Geschichte
zusammen. Abgebildet sind keine Opfer; ihre Posen entziehen
sich einer eindeutigen Deutung. Die Personen erscheinen
als Individuen, deren Leben über die Zeit der Zwangsarbeit hinaus
geht. Dieser Teil bleibt im Unwissen, verkörpert durch weiße Flecken
und Verhüllungen. Lücken werden sichtbar gemacht.
Original Fotos © Deutsche Fotothek / Erich Höhne & Erich Pohl, Hauptstaatsarchiv Sachsen und Stadtarchiv Dresden









